Ecuatour

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Samstag, September 30, 2006

Ava im Amazonas


Ich hatte ja fast schon damit abgeschlossen, es doch noch irgendwann auf meiner Reise in den Dschungel zu schaffen. Aber der kurzfristige 4Tagesausflug ins Amazonasgebiet hat sich sowas von gelohnt. Zu den Highlights zaehlen eindeutig die Kajaktour und die Wanderung zu einem Wasserfall (aber was fuer einer, da musste sogar ich Frostbeule mal reinspringen).
Natuerlich war ich nach der Erkenntnis, eine fetten Vogelspinne als Nachbarin zu haben, wegen Schlangen erst so richtig besorgt. Es gaebe schon welche, wurde mir berichtet, aber leider (???) bekaeme man nur aeusserst selten eine zu Gesicht. Klar, dass ich im naechsten Moment beinahe auf eine ziemlich giftige draufgetreten waere. Ahhh! Dagegen waren die Fledermaeuse direkt zum knutschen, die mir wenig spaeter aus einer Hoehle entgegengeflitzt sind. Und in die Affenfamilie haette ich am liebsten gleich eingeheiratet.
Der Programmpunkt ¨Besuch eines Indianerstamms¨ klang fuer mich anfangs verdaechtig touristisch. Ueberraschenderweise wars erstaunlich authentisch. Natuerlich wohnen die Burschen nicht im Tipi, schicken Rauchzeichen ins naechste Lager oder rennen jeden Tag im Lendenschurz rum. Aber ab und an schmeissen sie sich schon mal noch in ihre Outfits, knallen sich mit Lianenjoints und Trompetenbaumsaft weg, und fuehren irre Taenze auf. Da unsere Reisegruppe nur 4 Europaeer fasste, gaben 5mal so viel huepfende und floetende Indios um uns herum schon ein sehr traditionelles Bild ab. Etwas unheimlich wurde es erst, als mich der Oberguru ¨gereinigt¨ hat. Der Staub glitzerte in den schwachen Sonnenstrahlen, die durch das Palmendach in den halbdunklen Raum eindrangen. Die Knochen und Muscheln an den Waenden schiene zu den rythmischen Trommelschlaegen zu summen. Waerend des Rituals murmelte der von den Drogen betaeubte Indio immer wieder Worte in der Quechuasprache vor sich hin und strich mir mit einem Blaetterbueschel ueber den Kopf. Bekehrt hab ich mich danach zwar nicht gefuehlt, aber wenigstens hab ich beim anschliessenden ¨Pfeile durchs Roehrchen pusten¨ voll abgeraeumt.
Anonsten koennte ich noch ewig von der luxurioesen Lodge mit den saubequemen Betten und den 4Gaenge Menus schwaermen. Damit hatten wir ganz und gar nicht gerechnet. Sicher kamen wir den Leuten wie Wilde vor, die jede Gabelzacke vor Freude jauchzend bestaunen.










Donnerstag, August 24, 2006

La Chica Voluntaria

Nun bin ich schon seit einem Monat in der Fundacion Amen, und habs immer noch nicht zu einem Bericht geschafft. Das liegt wohl daran, dass ich meine Meldegeschwindigkeit an das ruhige Leben hier angepasst habe. 1,5 Stunden von Quito entfernt wohne ich auf so etwas wie einem Reiterhof, zusammen mit zwei weiteren Voluntaerinnen (=Gringitas) und der Familie, die dort wirtschaftet. Ich helfe jeden Tag bei der Hippotherapie und natuerlich beim Pferde versorgen. Hui toll, Pferde!!!
Ausser zwei Hunden und einer Huehnerschar gibts hier sonst kaum etwas - ausser der vollen Droehnung Natur: die boesartigsten Kreaturen auf diesem Kontinent sind eindeutig diese fiesen Moskitos, die mir nicht von der Seite weichen wollen. Dicht gefolgt auf der Liste der abstossendsten Ungeziefer werden sie von Ohrenputzern morgens in meinen Schuhen, Ameisen in meinem Bett, fetten Taranteln und Skorpione im Bad.Doch im Endeffekt ist alles nur Ansichtssache (sterben oder nicht sterben muessen) und man gewoehnt man sich an so einiges. Nachdem ich anfangs noch jede Maus mit einem schrillen Aufschrei kommentiert habe, lerne langsam mit dem naechtlichen Rascheln in meinem Zimmer zu leben. Nebenbei sind die Lungen voller Staub - hier ein unvermeidbarer Nebeneffekt der Vegetation - auch nicht ungesuender als ein Abend mit viel Zigaretten. Gegen unluxirioese Lebensumstaende bin ich von Natur aus immun (wobei ich mich hier echt auf keinsten beglagen kann, im Vergleich zu...!!!). Eine harte, Schmerzen verursachende Matratze ist schliesslich besser als keine. Wer kein Fernseh schaut, verbloedet nicht. Und wer sich taeglich dem gitarrenverzerrten Geblaerr spanischer Liebesopfer und selbst einen buddhistischen Moench aggressiv werde lassenden Raggaeton chancenslos ausgeliefert sieht, ist froh einen Radiosender ausfindig gemacht zu habe, den Celine und die Streisand zu bestechen scheinen.Auch bei der Arbeit zeichnet sich eine gewisse Effizienzsteigerung ab. Statt mit einem Pferd im Schlepptau zigmal jeden Morgen den Huegel bis zur Koppel hochzustolpern, galoppiere ich nun schon ohne Sattel mit Karacho und Freudenjauzer ueber das Plaster. Sogar das schier unueberwindbare Problem des RRR-Rollens hat Verbesserungen verbuchen koennen: ich habe den unspektaulaeren, aber entscheidenden Teilerfolg erzielt, mittlerweile auch den Unterschied in meiner Aussprache herauszuhoeren, wegen dem mich die anderen staendig auslachen. Wenn dann dieses typisch deutsche Defizit irgendwann doch noch ueberwunden werden kann, koennte ich im Falle einer ploetzlichen Notwendigkeit von Inanspruchnahme des Zeugenschutzprogramms locker in Ecuador untertauchen. Schliesslich kann es angeblich nicht sein, dass eine Deutsche kein Bier mag, die Sonnencreme nicht anruehrt, und zwar zu faul ist eine halbe Stunde ins Dorf zu laufen, aber 4 Stunden am Stueck Salsa tanzt.Alles in allem habe ich mit der Fundacion einen Glueckstreffer gelandet. Gut, der versprochene Psychologe fehlt, und ich werde hier auch nicht wirklich schlauer. Aber es macht zufrieden, sich bei der Arbeit auszupowern. Danach haenge ich noch ein bisschen in meiner Lieblingsmatte ab, unterhalte mich, lese, und gehe gegen halb 10 in die Haia.Am Wochenende passiert ausser Grillen und Trinken auch nicht viel, es sei denn, wir schaffen es mal den weiten Weg nach Quito. Gestern zum Beispiel hat sich das sogar so richtig gelohnt, als wir auf einer karnevallsaehnlichen Fiesta in einem Kuenstlerviertel mit einem Flaeschen des traditionellen Canelazo (etwas in die Richtung Punsch) in der Hand tanzten. Dafuer stellt sich nach dem gestrigen Buratschu heute ein leichter Chuchaki ein. Aber kein Grund den Artesanomarkt heute auszulassen.

Dienstag, Juli 25, 2006

Ein Tag am Meer

Nun habe ich es also bis ganz nach oben geschafft: an die lang ersehnte Karibikkueste. Und wenn das Photo gut geworden waere, wuerdet ihr mich jetzt auch tatsaechlich mit meiner Kokusmilch am Strand sitzen sehen. Natuerlich handelt es sich hierbei standardgemaess um einen weissen Sandstrand, tuerkisfarbenses Wasser, das mir in kristallklaren Formationen um die Fuesse schmeichelt, und einen strahlend blauen Himmel, einzig da um die wuchtige Sonne zu beherrbergen. So jedenfalls tagsueber. Gegen Abend ziehen ploetzlich dunkle Schatten auf mit der Ankuendigung, dass sich da gerade ziemlich was zusammenbraut. Erst fallen nur einzelne Tropfen, doch nicht lange und der tiefe Himmel oeffnet seine Schleusen. Heftigste Blitze sausen einem um die Ohren, exakt vertikal zischt ein Feuerstrahl herab oder sie zucken entlang des ganzen Horizonts. Als wuerde sich der Himmel an dieser Stelle spalten und elektrische Lava ausspeien wollen. Ohrenbetaeubend knallt der Donner nur wenige Sekunden spaeter mit aller Gewalt. Der Regen peitscht nur so ueber das Wasser hinweg und heftigste Windboen zerren heulend an den Basthuetten am Strand. Taghell wird der violett-schwarze Himmel erleuchtet, wenn der naechste Lichttitan von ihm Bestiz ergreift. So herrscht das tropische Unwetter einige Stunden lang ueber die Kueste, bis es sich langsam wieder zu beruhigen beginnt.
Der gleiche wunderbare Ort, diesmal bei Nacht, und statt der Sonne strahlen die Sterne in all ihrer Pracht von einem wieder wolkenlosen Himmel. Auch das Wasser ist so unbeschreiblich warm und seidig weich, als waere es aus einem anderen Stoff gemacht, jeder Tropfen eine kostbare Essenz. Ich sehe meine Fuesse in eine glitzernde Wolke gehuellt. Jede Armbewegung zieht einen Schweif gluehender Punkte hinter sich her, wie tausende von Gluehwuermchen. Das komlpette Wasser um mich ist getraenkt von kurzem Aufleuchten kleiner Lichtblitze, ueberall schimmert es in kosmischer Weise. Kaum ein Unterschied ist mehr zu erkennen zwischen dem Funkeln am naechtlichen Himmel und dem im fluessigen Schwarz. Das Wasser scheint wie ein Spiegel des Firmaments, in den die Sterne eintauchen, ich habe es selbst gesehen. Einer von ihnen loesste sich von den anderen und als eine leuchtende Sternschnuppe sauste er hinunter, bis er im Meer vergluehte. So wird er den Rest seiner Zeit als innigster Wunsch im Ozean treiben, lautlos, nur bei Nacht zum feurigen Tanz erscheinen.

Was soll ich sagen, das klingt gerade zu phantastisch, wie die Materie aus einem Science Fiction Film. Aber so war es, ich stand mitten drin und jede Beschreibung ist absolut woertlich gemeint (bis auf den Wunsch natuerlich). Leider konnte ich bisher keine chemische Erklaerung dafuer finden...

Dienstag, Juli 11, 2006

Ava am Aequator

Seit dem letzten Eintrag bin ich ja ein ganzes Stueck weiter gekommen.
Per Anhalter die Panamericana in Richtung Norden, da kamen schon einige 1000 Wegmeilen zusammen.
Unterwegs hatte ich es mit einigem Inkastuff mehr, einem Vulkankratersee, zwei Haupstaedten und treu verfolgten Fussballerlebnissen zu tun.
Das ist schon ein ziemlich anderes Reisgefuehl: auf der Ladeflaeche eines Pickups teilte ich die Haelfte meiner Zigarette mit dem aufdringlichen Fahrtwind und musste meine Lesegeschwindigkeit gegen die schneller als ich blaetternden Luftstroeme durchsetzen. Es konnte passieren, dass ich in Spaghetti-Traeger-Aufzug und nach Sonnencreme duftend aufstieg und schon nach den ersten zurueckgelegten Hoehenmetern nach einer dicken Jacke greifen musste, um mich gegen den kalten Zug und Nieselregen zu schuetzen.Pompoes sich in Szene setzende Landschaften aehnelten im Weitwinkel der Betrachtung verdaechtig sueddeutschem Gruen. Das saftige Weideland war jedoch gespickt mit Bananenstauden, hatte von Katkeen und Palmen abgetrennte, ueber die Huegel geschlaengelte Felder und sich monstroes immer wieder aufs Neue produzierende Gebirgsgiganten.
So kam es auch, dass ich auf dieser seudamerikanischen Hauptverkehrsverbindung (in Europa bestenfalls mit einer renovierungsbeduerftigen Landstrasse vergleichbar)schlafend auf der harten Liege eines LKW-Fuehrerhaeuschens zelebrierte, was nicht einmal durch ein winziges Hinweisschild gekennzeichnet war: den ehrwuerdigen Moment der Ueberschreitung des Aequators.
Ebenfalls ohne meine aktive Teilnahme vollzog sich eine weitere Praemiere auf meiner Reise: mein erstes Ausgeraubtwerden!
Hierbei habe ich aber allerdings nichts verpasst. Im Gegenteil, in dieser Angelegenheit bin ich eher mit einem blauen Auge davongekommen, das immer noch leicht angeschwollenen ist.
Da der Bus nach Cali - Columbien erst um 24:00 ankam und sich dieses Land nicht gerade durch seiner Sicherheit ruehmt, wurde beschlossen, den Rest der Nacht im naechst besten Hotel zu verbringen. Beim ersten Sonnenstrahl koennten wir nach etwas akzeptableren suchen. Als haette ers geahnt, oder weil sie es einfach immer tun, humpelte auch schon dieser ungepflegte Alte aufdringlich auf uns zu. Er versuchte uns eine guenstige Unterkunft gleich hier an der naechsten Strassenecke anzudrehen. Anschauen kostet ja nichts, besonders da sich bald rausstellte, dass andere potentielle Bleiben in Reichweite zu teuer oder ausgebucht waren. Drei Ecken weiter schliesslich trafen wir in einer Alkoholleichen bruetenden Kneipe auf den Hotelbesitzer. Wir sahen ihn bierbauchwallend und mit zerbrochener Flasche in der Hand sich auf einen vorlauten Halbgraden stuerzend, um ihm ein paar Tritte zu verpassen und ihn zu wuergen bis ein dritter eingreifen musste. Sein Vertreter haendigte den Schluessel einer leicht bekleideten, bis dorthin an der gegenueberliegenden Strassenseite posierenden und sich zur Schau stellenden Lady aus. Im Stoeckelschuhtempo trotteten wir mit einem halben Zentner bepackt und von der langen Busfahrt geraedert die staubige Strasse anderthalb dubiose Ecken weiter, bis zu einem in einer Seitenstrasse gelegenen duesteren Hauseingang. Nicht das geringste Anzeichen einer Uebernachtungsgelegenheit. Stattdessen machten die ueberall herumliegenden Autostuecke und die aufgebockten Busse eher den Eindruck eines Friedhofs fuer Ersatzteile. Eigentlich absolutes Sperrgebiet fuer jeden halbwegs vernuenftigen und selbst bis in die Knochen ermuedeten Touristen.
Egal, die paar Stunden wuerden uns schon nicht umbringen. Mitten in der Nacht in ganzer Montur rumzustapfen und nach etwas anderem zu suchen waere erst recht riskant gewesen. Jedenfalls viel gefaehrlichr als die paar Stufen hochzusteigen und die Tuere hinter sich zu zuziehen.
In dem stickigen Kabuff stand die Luft trotz des betaeubend laut surrenden Ventilators. Der Schlaf haette in diesem Moment jeden Ausdauersportler uebrmannt und ohne mich umzuziehen fiel ich so, wie ich mich gerade aufs Bett gelehnt hatte, in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
Der Alptraum begann erst, als ich am naechsten morgen aufwachte. Sofort stach es mir mir ins Auge. Mein Brustbeutel, den ich letzte Nacht neben mich gelegt hatte, fehlte. Normalerweise trug ich ihn unterwegs immer dicht bei mir, um darauf aufzupassen wie eine Woelfin auf ihre Jungen. Denn darin bewahrte alles auf was zaehlte, wie meinen Reisepass, Flugticket, Bankkarte, Traveler Checks. Noch halb im Land der Traeume, stuerzte ich in boeser Vorahnung aus dem Haus, auf der Suche nach dem naechsten Telefon. Ich war hin und her gerissen zwischen der ins Gesicht springenden Eindeutigkeit des Diebstahls und des erleichterten Aufatmens des Wiederfindens, welches sich schon oefters auf diese Weise angekuendigte. Mir jagte ein Schauer ueber den Ruecken, als die schmierige Luft draussen um mich kroch. Sie schien genaehrt zu sein von dem Anblick der heruntergekommenen, mit Oelflecken verschmierten Umgebung und den verdreckten Herumlungernden, die mich schaebig anstarrten. Vor blinder Wut und gleichzeitig betaeubender Hilflosigkeit geschuettelt krampfte sich alles in mir zusammen. Die handlungsfokussierte Logik des ersten Moments wich einer erschlagenden Mischung aus einem unheilvoll drohendem Pochen tiefsitzender Angst, panischer Hysterie und laehmender Auswegslosigkeit. Dieses Gefuehl schuettelte mich, immernoch an Intensitaet zunehmend, als ich die Bankkarte schon geperrt wusste. Waehrend ich vor der Polizeistation wartete, musste ich mich meiner gedanklichen Ohnmacht folgend erst einmal hinsetzen.
Mit Polizeitschutz kehrten wir in die Hoehle des Loewen zurueck, um unser Gepaeck abzuholen. Die Stimmung war sichtlich gespannt und hasserfuellte Blicke blitzten uns
aus der sich in der Ecke mittlerweile versammelten Hotelbesitzercousins entgegen. Meine fassungslose Erschuetterung prallte eiskalt auf vor Rache luesternde Aufgebrachtheit, die wie giftige Pfeile aus dem widerwaertigen Sumpfe verdorbener Seelen schoss. Ich verstand kaum eines der Worte, die gesprochen wurden. Als das Knistern fuer mich immer lauter wurde, bestaetigte mir einer der Polizisten meine kippende Eischaetzung der Situation. Er packte uns am Arm um uns verstehen zu geben ihm besser zu folgen. In Vorahnung einer Eskalation ueberliesen wir seinem Kollegen alles weitere. Ab da war ich nur noch froh ueber meinen gesunden Schlaf, der verhinderte, dass ich moeglicherweise Schlimmeres miterlebte.
Die nachsten paar Tage zogen sich hin mit Behoerden, Polizeiprotokoll, Telephonaten und den Montag abwarten, bis die Botschaft aufmachte.
Ich hatte wahnsinniges Glueck, dass ich meine Visakarte bei der letzten Abreise zufaellig wo anderes verstaut hatte und sie mir somit erhalten geblieben war (ich will mir gar nicht ausmalen, was sonst geschehen waere!). Ausserdem konnte ich mich bei den Bankangelegenheiten auf die unverzuegliche Hilfe von zu Hause verlassen und da Ben gut genug Spanisch spricht, war der Polizei meine Lage gleich erklaert. Ich Haeufchen Elend haette nach Luft japsend und mit in Heulkraempfen erstickter Stimme kein passendes Wort in meinem Vokabular gefunden, nicht mal mit Haenden und Fuessen haette ich mich verstaendigen koennen.
Hierrueber bin ich nicht nur heil froh, sondern mir auch der Tatsache bewusst, dass es sich nur um mit mehr oder weinger Aufwand & Geld zu ersetzende Dinge handelte. Trotzdem sass mir der Schock die naechsten zwei Tage noch tief in den Knochen. Sooft ich auch versuchte mir die positiven Dinge und meine Unversehrtheit vor Augen zu halten, heftete dennoch staendige ein dramatisches Gefuehl von Unwirklichkeit und brodelndem Gewissen an mir. Es war wie eine Ahnung eines dunklen Schattens, ohne dass ich konkret haette sagen koennen, von was ich mich bedroht haette fuehlen sollen. Unterstuetzt wurde diese Stimmung von der herrschenden Weltuntergangskulisse ueber der Stadt. Die Vorboten des aufziehenden Gewitters rueckten an, die diese Tage den Himmel ploetzlich zu verdunkeln vermochten und mit unheilvollen, Sonnenschirme mit sich reisenden Windboen immer wieder auf mich niederbrachen.
So, genug der duesteren Wort, ich hab mich ja auch wieder einigermassen beruhigt. Hier noch schnell eine frohe Botschaft:
Kaum in Ecuador angekommen fiel auf, dass es hier schon auf weite Entfernung Strassen- und Ortsschlider gab, die in alle moeglichen Himmelsrichtungen wiesen. Zuvor sah man nur mit Buchstaben bepinselte Steinen, in krakeliger Schrift das naechste Dorf ankuendigen. Die Taxis sahen ploetzlich nicht mehr wie kleine Dreiraeder aus und wurden sogar von offiziell gekleideten Angestellten gefahren. Diese und andere westliche Selbstverstaendlichkeiten gipfelten im modern-metropolischen Stadtbild Quitos. Als Accessoir der aufpolierten Erscheinung befanden sich die Preise in schwindelerregender Hoehe, aequivalent zur der auch hier wieder fast erreichten 3000m Marke der Stadt.In diesem Moment war ich absolut nicht begeistert von der Idee, hier mein Praktikum zu machen. Gegensaetzlich zu meiner vorherigen 2monatigen Suchen nach einer geeigneten Stelle, die nur durch eine verschwindend geringe Erfolgsquote gekuerten war, hatte ich dieses Mal mehr Erfolg. Auf die 5 verzweifelt abgeschickten neuen Anfragen nach Kolumbien erhielt ich am naechsten Tag eine positive Antwort. Kann also sein, dass ich bald an der Karibikkueste in einer Haengematte schaukle und Kokusmilch schluerfe.

Mittwoch, Juni 21, 2006

Mission Macchu Picchu

Macchu Picchu, Anwerter auf eines der neuen sieben Weltwunder und auf ein unvergessliches Anbenteuer. Fuer die Zugfahrt dorthin und den Eintritt zusammen ueber 100 Dollar zu bezahlen kommt von vornherein schon mal gar nicht in die Tuete. Wie man sich unter Travellern so zufluestert, koennte man kontraer zu den Informationen aus dem Lonely Planet mit verschiedenen lokalen Kleinbussen auch bis 12 km entfernt von Macchu Picchu Pueblo gelangen. Also begaben wir uns abends vorsorglich zum Busterminal um die ungefaehren Abfahrtszeiten fuer den naechsten Morgen auszukundschaften. Gerade in Erfahrung gebracht, dass die Fahrt doch mehrere Stunden in Anspruch nehmen wuerde, beschlossen wir kurzer Hand den letzten Bus in 2 Stunden zu nehmen und durch die Nacht zu fahren. Also flott zurueck ins Hostel, alles zusammenpacken (wie unordentlich so ein kleines Zimmer schon nach einem halben Tag aussehen kann - kaum zu glauben) und los. Nach suedamerikanischer Zeit setzte sich der nach europaeischem Standart schon nicht mehr verkehrstaugliche Bus statt um 8 pm um kurz nach 9 in Bewegung, den holprigen Schotterweg die Berge hinauf. Unfassbar, wieviele Peruaner in so ein kleines Gefaehrt gestapelt werden koennen! In Santa Theresa, wo wir am naechsten Morgen kraeftig durchgeruettelt nach doch nur einmal Umsteigen ankamen, befoerderten wir uns mit einer zwei Mann-Seilbahn ueber einen reissenden Strom, welcher schone einigen Menschenleben gefordert hatte. Von dort aus gings weiter, auf dem Ladedeck eines schrottreif dahinbrausenden Kleinlasters surfend. Leider nur bis Hydro, von wo aus sich die einzige Verbindung zum naechsten Ort als 2,5h langer Marsch entlang der Bahngleise entpuppte und sich Eisenbahnplanke fuer Planke fuer Planke beschwerlich dahinstreckte. Die Sonne wanderte langsam Richtung ihres hoechsten Punktes, waehrend wir scheinbar immer nur auf dem gleichen. Typisch fuer alles, was kein Ende nehmen will, kamen wir doch gegen Mittag in Macchu Picchu Pueblo an. Auf einer Wiese vorm Ortseingang flaggten wir uns erst mal ins Gras um unsere mittlerweile typisch gewordene Avocadobrot-Hauptmahlzeit zu uns zu nehmen und einen Plan zu schmieden. Die Erfahrungen einer Freundin, der Bericht des Belgiers aus dem Hostel, eigene wildeste Vermutungen und an den Haaren herbeigezogene Wahrscheinlichkeiten wurden in einen Topf geschmissen, hin und her gewendet, durchgeschleudert und in der Luft zerfetzt. Wie lange wuerde der Aufstieg ungefaehr dauern, und waere dieser bei Dunkelheit ueberhaupt machbar? Ob dort oben wohl Wachen stationiert sein wuerden, oder verlassen die Waerter tatsaechlich gegen 21:00 das Gelaende? Und die am heissesten diskutierte Frage: was ist dran an den Geruechten ueber den alten Inkapfad, der einem angeblich von einer anderen Seite Eintritt auf den heilige Boden verschaffen soll? Existiert er tatsaechlich oder ist das nur Teil einer weiteren Abendteuergeschichte, die man sich Abends am Lagerfeuer erzaehlt? Da die Spekulationen nicht abreissen wollten, versuchten wir ganz unschuldig einen vorbeistreifenden Polizisten ueber Oeffnungszeiten, Wachpersonal und -ritual auszuhorchen. Seinen Angaben zu Folge verliesen alle Angestellten abends das Gelaende um erst gegen 5 Uhr morgens wieder dort aufzukreuzen. Die anfaengliche Skizze zeichnete sich dadurch immer deutlicher, und unmerklich begann unser Plan Gestalt anzunehmen.
Da oben alles schon ziemlich frueh schliesst, haette es am gleichen Tag wenig Sinn gehabt uns noch an die lange Strecke zu wagen. Also mummten wir erst mal entspannt zwischen unsere Schlafsaecke um die letzten Sonnenstrahlen einfangend noch das ein oder andere Auge zuzutun. Nach zwei Naechten im Bus auch dringend noetig. Gegen Abend gabs vorsorglich eine dicke zusammenklebende Ladung Kohlenhydrate vom Gaskocher in Vorbereitung auf die vor uns liegende Anstrengung. Danach mussten wir den Reisverschluss schon bis oben hin zuziehen, um bei der aufkommenden Kaelte noch mal zwei Stunden Schlaf zu erhaschen. Der komplett bewoelkte Himmel liess weder einen Blick unsererseits auf die Sterne noch einen vom Mond zu uns herab zu, was uns neben dem Donnergrollen in der Ferne in Anbetracht unseres Vorhabens und der obdachlosen Situation ein ganz schoen mulmiges Gefuehl im Bauch verursachte. Auch dass um 2 Uhr Nachts ein Lkw schon zu zweiten mal seine Scheinwerfer die kurvige Strassige vor sich her hochschob, entsprach absolut nicht unseren scheinbar doch nicht mehr so wasserdichten Annahmen. Aber wir hatten ein Ziel, von dem uns kein Leck so schnell abbringen konnte: der nachste Sonnenaufgang sollte der unsere sein. Mit Taschenlampen als einzige Waffe gegen den dunklen Wald zogen wir kurz vor 3 los, das Anbenteuer zu suchen. Der sich inzwischen doch schuechtern im Mondlicht vor uns abzeichnende Berg schien eher zu wachsen als zu schrumpfen, und Jacke um Pulli wurden ausgezogen. Bald mussten auch schon am Ende jedes Treppenabschnittes Verschnaufpausen eingelegt werden, im Verborgenen, geschuetzt vor der unter Umstaenden auf der jeweils naechsten kreuzenden Strasse lauernden Gefahr entdeckt zu werden. So kaempften wir uns Meter fuer Meter ein Stueckchen hoeher, wechselten uns mit der Last unserer Rucksaecke ab und mahnten uns die Zeit im Auge zu behalten. Es war so gut wie geschafft, nur noch ein paar Meter bis zum Kontrollhaeuschen. Ploezlich hoerte ich ein Rascheln hinter mir, das unmoeglich von einem meiner vor mir her gehenden Freunden haette stammen koennen. Mit einem Ruck blieb ich stehen. Wer konnte das sein? Blitzschnell flitzte ein schwarzes Etwas aus dem stillen dunklen Nichts an mir vorbei. Mein Herz waere vor Schreck beinahe stehen geblieben. Waren wir aufgeflogen, so kurz vorm Ziel doch das Aus? Erleichtert stellte ich eine Sekunde spaeter fest, dass die vermeintliche Gefahr zum Glueck nur ein neugieriger Hund war, der noch mehr zum Glueck herrenlos zu sein schien. Bloss den Aufschrei, der mir noch in der Kehle lag mit einem Biss auf die Lippen unterdruecken und lautlos weiter, es galt die letzte Huerde zu nehmen! Nach einer weiteren Biegung, die uns noch von dem Restaurant-Kassen-Areal trennte, konnten wir durch die Baeume Licht flackern sehen. Was hatte das zu bedeuten? War hier doch noch jemand am Werk? Sabrina und ich blieben im blickdichten Schatten zurueck, waerend Ben ueber das Gelaende schlich um die Lage auszukundschaften. Die Siegessicherheit in den Knochen stieg die Spannung unaufhaltsam. Dann das Zeichen. So schnell und doch so leise wie moeglich versuchten wir uns ueber den in schwummriges Licht getauchten Innenhof zu bewegen. Noch wenige Schritte bis zum Ende des Platzes, am Kassenhaeuschen vorbei und direkt auf die Eingangstuer zu. Endspurt auf der Zielgeraden, der Sieg war zum Greifen nahe. Da hoeren wir schon die Schritt hinter uns. "Kommt ins Licht!" schreit der nervoes mit der Taschenlampe fuchtelnde Mann aufgebracht. Und ein weiterer taucht mit drohender Gebaerde hinter ihm auf. Er mussste hier geschlafen haben, denn er hatte nichtmal eine Hose an. Mein Herz hatte wohl so laut gepocht haben, dass ich ihn dadurch geweckt haben muss. Innerlich fluchend schlichen wir uns an die Wand gedrueckt ohne einen Mucks an ihm vorbei zurueck ueber den Hof bis zu den ersten Treppenstufen. Hier war keine Erklaerung mehr noetig, wir konnten froh sein, dass er uns keine Fragen stellte oder gleich fuer alle Ewigkeit in den Kerker warf. Da sassen wir nun gegen 5 Uhr morgens und versuchten zu begreifen, was in den letzten Sekunden gerade geschehen war. Wir waren ganz klar erwischt worden, unser Plan war nicht aufgegangen, unser weiter und anstrengender Weg war um sonst gewesen. Da man die Tickts fuer den Eintritt anscheinend nur untern im Dorf bekommt, war nichtmal die Besichtigung zu regulaeren Oeffnungszeiten gesichert. Das konnte es doch noch nicht gewesen sein! So sah also unsere lang ersehnt Eroberung des Macchu Picchu aus? Nach dem ersten Schock sahen wir uns das Gelaende noch einmal genauer an. Hier gab es ganz sicher kein Durchkommen. Laengst war es keine tiefste Nacht mehr, der Morgen kuendigte sich unaufhaltsam an. Ohne genaue Ahnung ueber die konkrete geographische Position von Standort und Ziel und immeroch enttaeuscht vor mich hin bruddelnd trotte ich den anderen hinterher, wieder ein ganzes Stueck die vorher so muehevoll erklommene Treppe hinunter. Auf dem Herweg konnten wir zwischen den dichten Bueschen einen schmalen Pfad erkennen, der vom regulaeren Weg abging, und beschlossen diesem zu folgen. Er fuehrte durch dichtestes Gestruepp und endete irgendwann an der Hauptstrasse fuer die Busse. Diese gingen wir weiter entlang, wieder hoch in Richtung des Eingangs, um von einer anderen Seite auf den Hof zu stossen. Das erste Sonnenlicht schob sich schon ueber die hohen Berge ringsum, als das Hotel vor uns auftauchte. In Anbetracht der durch die Daemmerung klingende Musik verlangsamten wir unsere Schritte. Keiner hatte eine Idee, ob es Sinn machen wuerde noch weiter zu gehen, scliesslich wollten wir nicht noch ein zweites Mal auffliegen. Da, ein weiterer Trampelpfad im Gebuesch! Hier ging es ein paar Meter den Abhang hinauf. Ohne lange zu uebrlegen warfen wir uns ins Dickicht und wuehlten uns durch die wuchernden Gewaechse. An einen geheimen Inkapfad glaubten wir nicht wirklich, aber eventuell an die Moeglichkeit uns ein Stueck durch den Dschungel zu kaempfen, um von hinten heimlich ein Schlupfloch zum Macchu Picchu zu finden. Dicke Aeste versperrten uns den Weg und die Rucksacke blieben staendig irgendwo haengen. Doch die herumliegende Plastikflasche verriet uns ganz deutlich, dass es kein Tier war, das diese Strecke vorher schon mal entlang gegangen war. Es gab also wieder ein klein wenig Zuversicht. Zu Teil ging es ziemlich steil bergauf und der erdige Boden war so rutschig, dass wir uns gegenseitig hochziehen mussten.Als wir weiter vorne sich das Dickicht lichten sahen, schlichen wir uns vorsichtig naeher. Wir konnten Menschen sprechen hoeren und fanden uns hinter dem Haeuschen der Waerter am Rande eines gepflegten Gartens auftauchen. Erschrocken wichen wir ein paar Meter zurueck und verharrten mucksmaeuschenstill. Holz knackte und Schritte naeherten sich. Ich wagte weder zu atmen noch meinen Kopf in Richtung des Geraeusches zu bewegen. Es kam mir vor, als wuerden Sekunden Stunden dauern. Nach einer Weile war nichts mehr zu hoeren und wir sahen uns erleichtert aufatmend ratlos an. Eine Sackgassen, der Weg war uns nun quasi abgeschnitten und uns blieb nur noch umzukehren. Dazu war die Gefahr entdeckt zu werden groesser denn je. Neben uns ragte eine 2 Meter hohe broecklige, mit Moos bedeckte Felswand empor und daneben versperrten dichte Hecken das Weitergehen. Wenn wir zurueck gehen wuerden, vielleicht koennte man dann mit den Leuten reden und sie bitten uns doch noch ein Ticket zu verkaufen. Schliesslich kaemen wir sicher nicht so schnell noch mal hier her, und wieder zu gehen ohne den Macchu Picchu gesehen zu haben??? Dafuer wuerde ich entgegen aller Vorsaetze meinetwegen auch noch die 25 Dollar Eintritt bezahlen. Dieses Frage sollte schnell eine Loesung finden, bei uns herrschte Demokratie. "Zwei zu Eins" lautete das Ergebnis der Abstimmung und ohne Vorstellung von der ungefaehren Richtung wollten wir einen weiteren Vorstoss zu wagen. Die einzigen Moeglichkeit des Vorankommens lag also in dem Meer aus Zweigen und Blaettern vor uns. Wir zogen unsere Rucksaecke ab um sie vor uns her zu schieben, waehrend wir uns auf dem feuchten Boden robbend weiter schlugen, immer tiefer in den dschungelaehnlichen Wald hinein. Gummibaeume nahmen uns die Sicht, Flechten wucherten dicht neben scharfen Felsvorspruengen, und an manchen Stellen konnten wir uns nur mit Hilfe der robusten Bambuszweige ein Stueckchen weiter hoch ziehen. Wir stapften durchs Unterholz und stiegen ueber morsche Baumstaemme, waehrend wir uns gegen die uns ins Gesicht schlagenden Pflanzen wehrten und versuchten rutschige Steine rechtzeitig zu erkennen... So krakselten Hucklebenny Finn und die Indiana Joñoritas gegen 7 Uhr morgens immer weiter den Abhang hinauf. Ich hatte schon bald mein grossstadterprobtes Orientierungsgefuehl verloren und haette nicht sagen koennen, in welche Himmelsrichtung wir uns eigentlich bewegten. Ausser dass es staendig hoeher ging. Manchmal mussten wir umkehren und wieder ein Stueck zurueck gehen, da uns zu viel Gestruepp oder unueberwindbare Gesteinsbrocken nicht mehr weiter kommen liesen. Die Sonne war schon so hoch gestiegen, dass sie wir sie durch die Baumkronen durchscheinen sahen, als wir ploetzlich auf eine weitere Mauer stiessen. Dieses 3 Meter hohe Hinderniss war leider einwandfrei intakt und zog sich ohne Unterbrechung zu beiden Seiten des Berges entlang. Standen wir womoeglich gerade vor dem offiziell gebuehrenpflichtigen Gelaende des Macchu Picchu? Ueberrascht aus dem Automatismus von strauchelndem und stolperndem Vorantrotten gerissen jubelnden wir uns mit strahlenden Augen wortlos zu und pirschten vorsichtig bis ganz nah an das Gestein. Als erster zog sich Ben scheinbar ohne Muehe die glatte Wand hoch und spaehte ueber den Rand auf die oben weiter verlaufende Gruenflaeche. Alles sauber. Noch ein zwei Bewegungen und er war oben. Schnell schmissen wir ihm die Rucksaecke hinterher und versuchten zu folgen. Das war jedoch leichter gesagt als getan und nur durch vereintes Ziehen, Druecken und Schieben konnten sich wir beiden anderen muehevoll ueber die Kante rollen. Wieder einigermassen aufrecht schnappten wir uns unser Gepaeck und rasten entlang dem Weg, auf den uns der dichte Wald ausgespuckt hatte, auf die schraeg gegenueber liegende Gesteinsformation zu. Dort oben standen wir, auf den Ueberresten eines etwas abseits gelegenen Inkatempels, elektrisiert von der Unfassbarkeit des Ausblicks, der sich uns so unerwartet bot. Vor uns praesentierten sich in aller Pracht, und vom Sonnenschein ebenso wie von unseren breiten Muendern angelaechelt, die mystischen Ruinen des sagenumwobenen Macchu Picchu.
Eigentlich das perfekte Ende meiner Geschichte, aber ein paar Anmerkungen der Autorin duerfen natuerlich nicht fehlen:
All diese praezise angeordneten Steine der Inkas zu sehen war schon enorm spektakulaer und sicher nicht weniger interessant. Doch dort oben sind so viele Touris unterwegs, dass ich von der Magie frueherer Zeiten und der Zauberhaftigkeit der Tempelanlange dieser Hochkultur wenig einfangen konnte. Die unglaublich monstroese, eindrucksvolle Landschaft jedoch, welche zu allen Seiten zu bestaunen war, verbreitete eine Idee von der Stimmung, die an diesem Ort ohne das Aufgbot der beigen Forschermuetzen auf bleichem Englaenderhaupt und der Armee von Digitalkameras herrschen muss.
Weinger prickelnd waren die Informationen der Peruanerin, welche auf dem Rueckweg ueber die Gleise neben uns her ging. Diese schaute uns naemlich an als waeren wir Geister, so unglaublich erschien es ihr, dass wir unsere Wanderung abseits des Wegs durch einen Tummelplatz diverser giftiger Schlangen unbeschadet uberstanden hatten. Nicht selten wurden hier schon Menschen erst zu Tode erschreckt und dann auch noch fies attakiert. Noch kurz erwaehneswert ist, dass wir waehrend der 10 stuendigen Heimfahrt in einem ohne Unterbrechung ruckelnden ueber die unbefestigte Strasse fegenden Kleinbus insgesamt nur 120 km zuruecklegten!
Das wars aber alles wert.

Lago Titicaca

Nach dem ich nach fast einer Woche in La Paz das Festival el Grand Poder miterleben durfte, bei dem die komplett kostuemierte Einwohnerschaft von 9am bis 12pm in einem nicht enden wollenden Zug durch die Stadt tanzte, gings fuer mich und meine zwei Gefaehrten weiter zur Isla del Sol im Lago Titicaca.
Nachdem wir nach drei Stunden Fahrt, die eigentlich nur halb so lange dauern sollte (suedamerikanische Zeitrechnung!) auf diesem traumhaften, suedlandisches Flair bei naechtlich sibirischen Temperaturen verstroehmenden Stueckchen Erde ankamen, mussten wir erst einmal feststellen, dass unser Geheimtipp "Hostal" vom alten Don Thomas auf der anderen Seite der Bucht lag. Mit ueber 20 Kilo Gepaeck auf dem Ruecken machten wir uns also daran, die scheinbar bis in den Himmel reichenden Stufen zu erklimmen. Schon zu Hause waere das fuer eine Woche ausreichende koerperliche Betaetigung - doch hier der absolute Lungensprenger! Mein Gekeuche war sicher bis ans Festland zu hoeren und der Schweiss, der mir von der Stirn rann, haette locker noch einen zweiten solchen See fuellen koennen. Dafuer war die Aussicht, die sich uns gerade bei Sonnenuntergang oben angekommen bot, unglaublich lohnenswert! Das Wasser erglitzerte wie tasusend Diamanten in einer Truhe aus schattigen Bergen und bot sich einen unerbittlichen Konkurrenzkampf mit dem violett orangenen Aufgebot der Himmelsfaerbungen. Eine Landschaft in ihrer Festtagskleidung. Weiter also mit dem daemmrigen Abstieg. Mit richtigen Stiegen hatten wir es schon lange nicht mehr zu tun, der holprige Pfad, bedeckt mit unzaehligen Beweisen zuvor dort entlanggetriebener Esel und Schafe, schlaengelte sich wahrlich ueber Stock und Stein durch die nach Kraeuter duftenden Felder hinab in Richtung der Bucht. Da der Vollmond und unsere Taschenlampen schon bald die einzige Lichtquelle boten, kam es uns langsam komisch vor, in der Ferne keine durch die Nacht scheinenden Anzeichen der erwarteten Unterkunft aufleuten zu sehen. Waehrend der ganzen Strecke hatte ich weder Strommasten noch Wasserleitungen gesehen und ich ahnte langsam, worauf das hinauslaufen sollte. Aus meinen bisherigen Erfahrungen war ich ja schon einiges gewohnt, was den Zustand der Nasszellen anbetrifft. Der gerne mal elektrisch geladene Funken spruehende Duschkopf ist in der Regel ohne Abtrennung ein paar Zentimeter neben der Toilette plaziert, der kalte verdreckte Boden und die schimmligen Waende sind daher entweder nur feucht oder schwimmen in der Bruehe des vorherigen Hippi-Benutzers, und warmes Wasser ist ein Gluecksspiel, das gekonntes Hantieren mit dem eigenen Kopf des Durchlauferhitzers erfordert. Bueno, weder Strom noch der Luxus von fliessendem Wasser waren in der aus wenigen Huetten bestehenden verlassenen Bucht zu finden. Die totale Abgeschiedenheit! Und wieder ein Deutschlandspiel verpasst. Dachte ich letzten Monat noch ein morgentliches Bad in einer heissen Quelle bei Minustemperaturen waere nicht mehr zu toppen, musste ich mich vom eisigen Wasser dieses ozenanweiten Sees doch eines besseren belehren lassen. Dennoch bereue ich keine Minute der in der Tat atem(be)raubenden Wanderungen durch Kakteenhaine und zu entlegenen huegelligen Teilen der Insel, die Ruienen eines Inkatempels am Fusse des Berges, den Lagerfeuerabend mit heissem Tee, den Sonnenbrand, den ich mir bei einem Ausflug mit dem Ruderboot zum Leuchtturm auf der gegenueberliegenden Landzunge zuzog, das Gesausel des nachts durch die Ritzen der undichten Fenster pfeifenden Windes, der davor quasi in den Mund wachsenden exotischen Fruechte (Johannesgurken getauft), das morgens zu hoerende Rauschen der Wellen, die sachte durch das Schilf streifen...

Sonntag, Juni 11, 2006

Lazy in La Paz

Ganz so harmonisch ist die Stadt des Friedens wahrhaftig nicht. Im Gegenteil, hier wuselts und tummelts sich in buntester Pracht durch die schmalen Gassen. Dicke, in mehrere Schichten Rock gehuellte Cholas sitzen hinter einem Haufen Plastikflaschen, Snickers, Schraubenziehern, selbstgestrickten Alpaca Socken und was sonst noch so alles an den vielen kleinen Staenden zum Teil lautstark versucht wird an den Mann zu bringen. Uberall wird Chicken gefried oder andere, manchmal kaum noch Koestlichkeiten in Fett gebadet. Aus den ledernen Gesichtern der 3/4 mannshohen, leicht gebeugt gehenden Gestalten blitzen einem vereinzelte stehenbeliebene Goldzaehne entgegen und ueber die Schulter der Big Mamas schielt ein verschmierter Kinderkopf, welcher zu einem der zahl- und oft nicht weniger zahnreichen Sproesslingen gehoert, die in tradtioneller Weise in einem pinken Tuch auf den Ruecken geschnallt getragen werden. Aus den an jeder Ecke existierneden Computer-Spiel-Hoellen toent die ebenso angesagte Raggaton Mucke, die noch von den aus den Minibussen das Fahrtziel herausbruellenden Akrobaten uebertoent wird oder vom Gelalle der ab Einbruch der Dunkenheit oft volltrunkenen Lokals. Geschmueckt wird dieses farbenfrohe Treiben von den zu Tuermen gehaeuften Muellbergen am Rand der 0,5 cm breiten Gehwegen und von kaum liebevoll platzierten Abfallresten, die wo man so geht und steht einfach fallen gelassen werden.
Genauikeit und Ehrlichkeit sind leider nicht die staerksten Seiten der meist auch in Freundlichkeit keine ansehnliche Punktzahl erzielenden Bolivianern. Daher sind manche Ecken auch strikt zu vermeiden, gerade wenn man im Hostel - uebrigens Umschlagplatz diverser lokaltypischer Rauschgifte - jeden Tag auf einen anderen Ausgeraubten trifft. Konnte man sich in Chile noch aus den Antworten dreier nach dem Weg befragten die ungefaehre Richtung herausmitteln, so ist eine halbwegs glaubwuerdige Antwort zu erreichen in Bolivien ein schier unmoegliches Unterfangen. Da steht man direkt vor einem Internetplatz und muss sich von einem Regierungsbeamten anhoeren, dass im Umkreis von drei Blocks garantiert keiner zu finden ist. Das Hostel, dass man sucht waere geschlossen und Bananen verkauften sie hier auf dem Obstmarkt eh nicht. Um ein Paeckchen bei der Post aufzugeben kann man gut und gerne mal drei Stunden und ein abhanden gekommens Taschenmesser einplanen. Aber das lohnt sich tatsaechlich, denn die Preise hier sind himmlisch.
Zu einem unvergesslich schaurigen 2Tagestrip hat mich Sabrina aus Argentinien ueberredet. Auf der nicht umsonst die "gefaehrlichste Strasse der Welt" benannten Strecke nach Coroico sieht man dem Tod wahrhaftig ins Auge. Keine Absperrung, ein holpriger zT. 2 Meter breiter unbefestigter Schotterweg, ein irrer Fahrer und neben einem einfach nur 100te von Metern Steilhang. Wenn einem ein knatternter LKW in einer scharfen Kurve ploetzlich entgegenrast und scharf auf die Bremsen getreten werden muss, existieren bei dem riskanten aneinander Vorbeischieben der Farhzeuge gerade noch Millimeter neben dir und der lauernden Tiefe. Die Strasse ist nicht mehr zu sehen, so knapp sind die Reifen dem vermeindlich sicheren Ende. Unter einem nur Abgrund, sogar ein kuerzlich zerschellter Bus ist in der weiten Entfernung zu erkennen. Ein Adrenalinkick der ganz besondern Art. Endlich wider Erwarten doch angekommen, weiss man gar nicht, ob das Angstschweiss ist, der einem noch auf der Stirn steht, oder die tropische Waerme, die sich nur drei Stunden enfternt vom frostigen La Paz ploetzlich um einen schmeichelt.

Montag, Juni 05, 2006

In einem Land vor unserer Zeit

Ich habe ja schon einige romantische, farbenfrohe Sonnenuntergaenge gesehen, aber so ein kitschig anmutendes Schauspiel haette ich nicht erwartet, als in hoechsten Toenen davon geschwaermt wurde. Zu beobachten war dieses Spektakel in einem Flamingo-Salzsee-Naturschutzgebiet in der Atacama Wueste. Schon die weisse ruppige Landschaft mit den vereinzelten dunklen Wasserstellen, in denen die ueber die von schneebedeckten Bergen gesaeumte Ebene gleitenden rosa Voegel sich niederliesen, um in Scharen nach Nahrung zu suchen, bot ein unvergessliches Bild. Alles um mich herum war schon einer perfekten Hochzeitsszenerie gleich, falls moeglich bestimmt schon Jahre im Voraus ausgebucht. Doch wurde dies noch getoppt, als die Sonne langsam anfing sich hinter die sich am Horizont langstreckende Gebrigskette zu verkriechen. Es schien als haette sich der liebe Gott hier in seiner Rosa Phase ausgetobt. Alles, was vorher noch hell funkelnd von der Sonne angestrahlt vor mir lag, erschien nun sich auf einer Farbpalette von Zartrosa bis Neonpink alle Nuancen abdeckend in Babies Campingplatz zu verwandeln. Ungefaehr eine viertel Stunde lang bestaunten ich und noch ein paar andere Touristen diese tatsaechlich einmalige Verabschiedung der Sonne, um danach synchron im Rucksack nach einem Fleecepulli zu kramen und in die Windstopperjacke zu schlupfen, um sich gegen die ohne Nachspielzeit eingewechselte Kaelte zu verteidigen.
Und das sollte nicht das einzig aussergewoehnliche Naturphaenomen sein, dem ich diese Woche Auge in Auge gegenueberstand.
Von SanPedro de Atacama aus ging es am naechsten Morgen - wobei ich 4:00am eher zu mitten in der Nacht zaehle - mit einem der mir mittlerweile so vertrauten Minibussen hoch auf 4320m, um das Wiedererwachen der gestern sich so spekatulaer verabschiedenden Sonne hinter einer Kulisse von an die 80 Geysiren und heissen Quellen mitzuerleben. Um dem allem noch die Kroenung der nie wiederkehrenden Ereignisse zu verleihen, habe ich tatsaelich meine drei Hosen, Jacke, zwei Fleecepullis, Longsleave und Thermounterwaesche (einfach alles, was mein tragbarer Kleiderschrank hergab) an einen Felsen gehaengt, um bei gehoerigen Minustemperaturen in einem frisch aus der Erde sprudelnden Oeko-Whirlpool ein Schlammbad zu nehmen.
Um so mehr habe ich mir die Heimfahrt verdient, auf der ich - nun Tag - dieses so scheinbar unendliche weit reichende Tal durchfahren -oder besser durchleben durfte, welches sich in violett- salziges weiss, grau, schwarz, okker, olive, beige und (meine absolute Lieblingsfarbe:) eierschalen vor dem schneebedeckten Vulkan und seinen gemeinen Berggenossen, von Kakteenkolonien, Vulkangesteinsfeldern und einigen von Moos und grellgruenem Farn beuferten Fluss-Seenlandschaften durchzogen, hinstreckte. Ich war der festen Ansicht hinter der naechsten Biegung statt einer weiteren Lama Familie eine Bronchosaurus Herde grasen zu sehen.